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Videospiele im Fadenkreuz

Videospiele im Fadenkreuz

Videospiele sind Killerspiele. Diese überholte Meinung geht leider immer noch zu vielen Menschen durch den Kopf – gerade auch denen, die mit der Gaming Branche eigentlich nichts am Hut haben. Logisch: Was der Mensch nicht kennt, wird grundsätzlich abgelehnt. So oder so ähnlich begegnete unsere Spezies bereits in der Vergangenheit vielen neuen Dingen.

Ich bin nicht das, was man einen „Gamer“ nennt. Ich bin noch nicht mal das, was der typische Gamer als „Gelegenheitsspieler“ bezeichnen würde. Ich bin eigentlich nur ein Vater, der sich oftmals zu viele Gedanken über zu viele Dinge macht. Mein Sohn ist jetzt im schwierigen Pubertätsalter, in dem es grundsätzlich kniffelig ist, einen ordentlichen Kommunikationsfluss zu entwickeln. Also habe ich mich dazu entschieden, mir ein paar dieser berüchtigten „Spiele ab 18“ mal auszuleihen und gemeinsam mit ihm zu „zocken“. Das Ergebnis war überraschend.

Tatsächlich hätte ich nicht gedacht, dass er mit „Erwachsenenunterhaltung“ schon derart reif umgeht. Den Menschentötungsaspekt mal außen vor gelassen ging es bei unseren letzten Spieleabenden vorwiegend um den reinen Spaßfaktor, den zum Beispiel das bewältigen von Missionen oder das kooperative Gemeinschaftserlebnis mit sich bringen. Gerade letzteres hatte eine unglaubliche Wirkung. Es hat mich daran erinnert, dass ich früher mit meinem Schulkameraden auf dem Bolzplatz Fußball gespielt habe. Ohne vernünftige Koordination und Teamwork (und natürlich auch die entsprechenden Fähigkeiten) ist hier ein Sieg undenkbar. Exakt so verhielt es sich im virtuellen Kugelhagel. Ja, das Szenario kann man als verwerflich empfinden – den reinen spielerischen Wert jedoch nicht.

Hat man sich wie ich mit dieser Tatsache erst einmal abgefunden, ist die größte Hürde bereits genommen. Man fängt auf einmal an, hinter die Kulissen zu blicken und programmiertechnische Werte zu erkennen. Und das meine ich jetzt nicht nur im Hinblick auf die teilweise unglaublich detaillierten Spielumgebungen, sondern auch auf die interaktiven Möglichkeiten. Das äußerst umstrittene Spiel Call of Duty: Modern Warfare 2 hat zum Beispiel deutlich mehr zu bieten, als die blutige Attentätermission, die so oft zitiert wird. Hier kommt es auch auf Geschick, Beobachtungsgabe, strategisches Denken und im Mehrspielermodus koordiniertes Miteinander an. Davon redet zum Ja, mein Sohn ist noch nicht volljährig. Aber ich denke: Bevor er sich Spiele wie Call of Duty oder Schlimmeres ohne mein Wissen beschafft (und die meisten Eltern wissen: Das ist möglich!) stehe ich diese Phase der leichten Beeinflussbarkeit lieber gemeinsam mit ihm durch und kann ihm im Zweifelsfall über bestimmte ethische Normen aufklären.

Videospiele sind keine Killerspiele, sondern eine moderne Form der Unterhaltung. Als das sollten sie auch wahrgenommen werden.